Wer liest schön vor, ohne übertrieben zu schauspielern? Wird auch sicher und flüssig gelesen, mit einer deutlichen Aussprache? Und wie steht´s um eine sinngemäße Betonung? Ist das Lesetempo denn auch angemessen? Diesen Fragen spürte die Jury am Dienstagnachmittag im alten Öhringer Ratssaal über der Stadtbücherei nach.
Hier findet der Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels statt. Nach nicht einmal zwei Stunden steht für die fünfköpfige Jury fest: Leonie Sterle hat ihre Sache am besten gemacht. Die Öhringer Realschülerin ist die beste Vorleserin im Landkreis. Die Zwölfjährige darf nun am Bezirksentscheid in Stuttgart teilnehmen.
Schwere Entscheidung
„Ihr habt die Texte sehr gut vorgelesen, vor allem auch den unbekannten Text. Da wird der Jury die Entscheidung schwer fallen“, sagt Renate Rau-Maier nach dem zweiten Vorlesedurchgang. Buchhändlerin Martina Huber bestätigt die Vermutung. „Wir haben, wie oftmals schon, schweren Herzens darum gerungen, wer als Sieger nach Stuttgart darf.“ Und auch Büchereileiterin Irina Dorsch verrät: „Uns ist die Entscheidung heute nicht leicht gefallen. Letztlich haben die Punkte entschieden.“
Sechstklässlerin Leonie hat ihre Sache sehr gut gemacht und am Ende hat es für Platz eins gereicht. Die Jury ist an diesem Nachmittag ganz offensichtlich aber auch von Leonies Mitstreitern beeindruckt. Einhellig wird bestätigt, dass das Niveau sehr hoch gewesen sei: Alle sieben Teilnehmer hätten wirklich gut vorgelesen. Unter diesen trifft man am Dienstag auch auf Jana Göller. Das Mädchen aus Künzelsau-Ohrenbach wird sogar von einem kleinen Fanclub begleitet. Mama und Papa sind mitgekommen und auch die zwei Freundinnen Eliana und Antonia. Jana verrät, dass sie schon etwas aufgeregt gewesen sei vor Publikum zu lesen, „aber es macht auch Spaß.“ Beeindruckt vom Talent ihrer Tochter sind Anja und Jochen Göller. Sie verraten beim Wettbewerb: „Jana liest sehr viel. Aber sie liest uns nicht vor. Wir haben sie heute zum ersten Mal hier gehört und wir sind überrascht, wie gut sie das macht.“ Letztlich hat es bei Jana für einen zweiten Platz gereicht.
Motivation
Diese Platzierung erringt auch Felice. Auch sie findet „es sehr aufregend“ beim Wettbewerb mitzumachen. Freude über die gute Leistung der Zwölfjährigen äußern Felice Mutter, Stefanie Rilling, und Deutschlehrerin Julia Konrad, die das Mädchen begleitet haben.
„Ich bin schon stolz, die Klassensiegerin zu haben“, sagt Konrad, die am Bildungszentrum in Bretzfeld unterrichtet. Die Pädagogin freut sich, dass es den Vorlesewettbewerb gibt. Konrad denkt, dass er den Kindern Motivation sein kann, zu Büchern zu greifen und zu lesen.
Eine, die sehr viel liest, ist Siegerin Leonie. Das verraten ihre Eltern Katharina Sterle und Florian Albrecht. „Das Taschengeld geht für Bücher drauf, und sie ist Stammkunde hier in der Bücherei“, erzählt Leonies Mama schmunzelnd.
Und warum liest Leonie in ihrer Freizeit so gern? „Weil es Spaß macht und man in die Bücher eintauchen kann“, sagt die glückliche Erstplatzierte. Und dann verrät die Realschülerin noch ihr
zweites spannendes Hobby neben dem Lesen: Leonie engagiert sich im Jugendrotkreuz und auch das bereitet ihr Freude.

  Von Regina Koppenhöfer, Hohenloher Zeitung (Veröffentlichung genehmigt: 10.02.2020)